Mittwoch, 14. November 2007

Da war doch mal was...

Bei der Blauen Nacht hatte ich mit einer lieben Teilnehmerin beschlossen, im Herbst in den Film "Becoming Jane" ins Kino zu gehen. Und zwar standesgemäß. Neben einem schönen Abend habe ich mir davon vor allem versprochen, endlich mal mit meinem Regency-Projekt in die Puschen zu kommen.
Die Unterwäsche in dieser Zeit ist relativ schnell abgehandelt: Die Chemise hatte ich schon für das Nürnberger Biedermeier gemacht. Als Korsett sollte eigentlich ein Schnitt von Past Patterns herhalten, allerdings erfordert der Reet-Versteifung, und sowas ist hierzulande nicht so leicht zu bekommen. Also hab ich aus besagtem - ungewöhnlich authentischen - Simplicity-Packerl auch das Kurzmieder gemacht, erstmal als Plan B.
Das Teil musste reichlich modifiziert werden, da meine Oberweite vom Hersteller nicht mehr vorgesehen ist. Das hat aber ganz gut funktioniert, das Ergebnis zauberte sogar der Schneiderpuppe einen ordentlichen Vorbau. Der Oberstoff ist ganz unauthentischer Polyjacquard, das Zwischenfutter eine Lage Baumwolle und das Innenfutter... ein Rest von der hellblauen Baumwolle vom Biedermeier-Mutzen. Hat farblich so schön gepaßt. Farblich passendes Schrägband habe ich leider keines gefunden, und basteln wollt ich keins, der Oberstoff hat mich schon genug aufgeregt (hat gefusselt wie nur was). Von den Optionen, die ich hatte, erschien mir das dunkelbraun die beste.
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Das Kleid ist der wunderbare Schnitt Past Patterns 031. Nachdem ich nicht das übliche Weiß, sondern eher ein ländlich-englisch-gedecktes Kleid haben wollte, habe ich sehr lange nach einem passenden Stoff gesucht. Eines Nachts habe ich bei einem amerikanischen Ebay-Händler traumhafte Baumwolle mit eingewebten Streifen gefunden. Ich glaube, ich hab mir noch nie soviel Mühe beim Nähen gegeben wie bei diesem Kleid...
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Nachdem der Kinotermin recht spät im Jahr lag, nämlich am 31.10. (jaaa, Halloween, aber das war uns bei der Planung nichtmal bewußt) musste dann auf die schnelle noch ein wärmendes Darüber her. Also hab ich auf die Schnelle noch den Spencer-/Pelisse-Schnitt von Sense&Sensibility-Patterns angeschafft, nach dem Blättern im Buch "Fashion in Detail" erfreut festgestellt, dass dunkelblauer Samt "A" ist und den "Rest" Samt aus meiner Stofftruhe gefischt. Nach einigen Änderungen und Modifikationen war das Ergebnis zumindest von außen vorzeigbar. Das gute Stück ist natürlich erst in der Nacht vor dem Termin fertiggeworden, das Innenleben ist also eher chaotisch.
Bei Gelegenheit muss da noch irgendwie Zierrat drauf. Nachdem ich dafür aber weder Zeit noch Inspiration hatte, bleibt das Ding erstmal so, wie es ist.
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Bilder gibt es derzeit nur ein paar verfrorene, da es in dieser Nacht wirklich lausig kalt war. Ich war ziemlich froh, mich für was Warmes entschieden und dafür die Kopfbedeckung übersprungen zu haben. Irgendwann wird auch das geändert. Ansonsten war es ein sehr schöner Abend. Die einhellige Erkenntnis lautete im Übrigen, daß das eine ungemein bequeme Epoche ist. Das einzig unpraktische waren unsere modernen Strumpfhosen.

Sonntag, 3. Juni 2007

Rekonstruktion: Fertig!



Was lange währt...
Pünktlich zur Blauen Nacht wurde das gute Stück fertig. Es staucht einen optisch ziemlich zusammen, was an der Blende liegt... Aber wenn man es mit den zeitgenössischen Bildern vergleicht, dann ging es den Mädels damals auch nicht besser.
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Nochmal zum Vergleich die Vorlagen:
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Freitag, 18. Mai 2007

News

03.05.2007:
Ich habe heute mal etwas umstrukturiert, da das ganze nach einigen Neuerkenntnissen und Umentscheidungen doch etwas arg unübersichtlich geworden ist. Das werde ich in der nächsten Zeit noch fortsetzen.
Ansonsten: ich bastele Knöpfchen für das Leibchen des Rockes. Photos folgen natürlich!
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04.05.2007:
So, 3 m jetzt schon ehemals weißer feiner Baumwolle drehen gerade ein paar Runden in Begleitung von Simplicol "Arktis". Ich bin gespannt!
Leider war nämlich die blaue Baumwolle, die ich noch hatte und mit der ich das Färben umgehen zu können meinte doch eine ganze Ecke zu dunkel.
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05.05.2007:
Vorbereitungen für den Rock, Knopflöcher ans Leibchen fabrizieren (irgendwie schauen die nicht gut aus...), Annähen der Knöpfe.
Im Anschluß habe ich mal das Leibchen der Puppe angezogen, an der es irgendwie blöd sitzt. In der Oberweite und Unterbrustweite sind wir einfach nicht ganz kompatibel...
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10.05.2007:
Einraffen des Rockvorderteils, Vorbereiten der Stehfalten im Rückenteil. Die Spannung steigt.
Der Stoff für den Mutzen hängt immernoch im Keller...
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11.05.2007:
Leibchen und Rock sind eine engere Bindung eingegangen und nennen sich nun Leibchenrock.
Das Ganze schaut gar nicht so übel aus, auch wenn ich mit den Falten nicht 100%ig glücklich bin. Ob die Zeit noch zum Versäubern des Innenlebens reicht weiß ich noch nicht, ich habe aber beschlossen, das als Kür anzusehen, wenn ich die Pflicht geschafft hab.
Außerdem ist mir das weiße Schrägband ausgegangen.
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12.05.2007:
Heute nehm ich die Schürze in Angriff. Ich habe mich jetzt doch für das auf dem Bild gesehene Weiß und gegen das Dunkelblau mit Blümchen entschieden. Schon beim Anhalten der weißen Stoffbahn sieht jetzt alles erschreckend nach Dirndl aus. Ich hoffe, der Eindruck legt sich, wenn der Mutzen drüber ist.
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Die Schürze ist fertig, inzwischen sitz ich am Schnitt vom Mutzen. Das Gustenfelder Schema kann ich nur als Anhaltspunkt nehmen. Bis jetzt läuft´s ganz gut.
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So, der Schnitt = das Futter stehen soweit (abgesehen von der Blende, da mit die ungebleichte Baumwolle jetzt ausgegangen ist). Jetzt muss ich nur endlich eine Entscheidung bezüglich des blauen Stoffes treffen.
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Die Entscheidung ist FÜR den hellblauen Stoff gefallen, auch wenn der ein bißchen knallig ist. Der ist jetzt zugeschnitten, und die Rückenteile sind bereits samt Futter zusammengenäht. Morgen geht´s dann weiter.
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13.05.2007:
Der Mutzen wächst und gedeiht, der erste Ärmel ist drin, der zweite wird wohl gleich folgen. Danach muss ich mal die Blende zuschneiden und was das gute Stück sonst noch so braucht.
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14.05.2007:
Der Nähmarathon geht weiter...
Die Blende ist am Mutzen, und das Innenleben ist bis auf die Ärmel sogar versäubert. Das heißt, ich muß nur noch den unteren Abschluß und den Verschluß basteln, und die Ärmel auf die richtige Länge kriegen. Wenn dann noch Zeit ist können wir über Verzierungen reden.
Ach ja, das Ding staucht optisch ganz schön zusammen.
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16./17.05.2007:
Ach nee, ich hab endlich die Chemise gar versäumt... Damit hab ich ein endgültig fertiges Teil.
Ich hab auch das Schößchen vom Mutzen neu angenäht, diesmal symmetrisch ;-)
To do:
1.unterer Abschluß vom Mutzen
- erledigt!
2. Verschluß vom Mutzen
- ja! hält zu (habe total un-authentisch mit Haken- und Ösenband improvisieren müssen, weil Zeitnot) - jetzt ist mir auch klar, warum die Dinger so oft Gürtel haben. Es klafft unten leicht auseinander, was es sicher auch mit normalen Haken und Ösen getan hätte. Na gut, bau ich morgen eben einen Gürtel.
3. Posament auf die Blende vom Mutzen
- erledigt! (blÖde Borte!)
4. evtl. Leibrock versäubern
5. Fäden an der Schürze versäubern
6. Häubchen basteln
(auch wenn´s hier nicht hergehört: 7. den Kruseler fertigstellen)
18.05.2007:
FERTIG!!!

Rekonstruktion: Das Oberteil - Der Mutzen

Die Schürze besteht wie gesagt aus zwei Stoffteilen mit Mittelnaht. Ich muss mich noch entscheiden, wie ich den Bund gestalte - die Vorlagen bieten da mehrere Möglichkeiten an. Auch beim Stoff bin ich noch unentschlossen: weiß wie bei Kraft, oder dunkelblau mit weißen Blümchen.

12.05.2007:

Heute hab ich unter anderem die Schürze gemacht.

Ich habe die feine weiße Baumwolle genommen, da auf den wenigen bekannten Bildern aus Nürnberg helle Schürzen gezeigt werden, ganz im Gegensatz zu den dunkleren in den ländlicheren Gebieten

Die Schürze besteht aus zwei je 42 cm breiten Stoffbahnen, reicht also bis zu den Seiten. Beidseitig wurde der Stoff etwas gerüschelt, bis auf die mittleren 22 cm.

Das alles wurde an ein aus dem gleichen Stoff gefertigtes Band genäht, das lang genug ist, um es mindestens 2 mal um den Körper zu wickeln, damit ich die Bindung variieren kann. Dieses Band fungiert sowohl als Bund als auch als Bindeband, ich habe mich also gegen den sog. dreieckigen Bund entschieden, da der nur regional vorkommt und auf den Zeichnungen von Kraft und Lipowski nicht auftaucht.

Die Länge der Schürze entspricht der des Rockes.

Donnerstag, 17. Mai 2007

Werkzeug

Da war doch noch was...

Nachdem ich a) eine ziemliche Niete im Handnähen bin und b) da auch nicht die nötige Zeit für hab, hab ich alles "fußgenäht". Das heißt, die ausführende Nähmaschine war eine Singer 15 mit Tretantrieb (Baujahr 1907).

Die einzige Ausnahme sind die Knopflöcher, für die mußte (nachdem ich beim ersten schon gemerkt hab, dass meine handgenähten nicht so der Kracher sind) die moderne Maschine herhalten.

Den Entschluß für die Singer hab ich eigentlich nur bereut, wenn es ums Versäubern der Fäden ging (sie hat nunmal keinen Rückwärtsgang), aber ansonsten nicht eine Sekunde. Ganz im Gegenteil, an den Stoffmengen wäre meine Bauhjahr 2006 wahrscheinlich gnadenlos gescheitert, während die alte Dame ohne zu zucken drüber weggetackert hat.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Rekonstruktion: Die Unterwäsche


Die Recherche war hier besonders schwierig. Was auch daran liegt, daß Informationen über Kleidung aus Nürnberg zu der Zeit allgemein nicht leicht ist.

Auf jeden Fall brauch ich eine Chemise, also ein Unterhemdchen.

Nach meiner Literatur zu Trachten in Nürnberg und der Umgebung sind Unterhemden meist langärmlig. Die Bildquellen für Nürnberg zeigen jedoch hellere Farben und schlankere Silhouetten, die Kleidung ist in der Stadt offenbar enger an die Empire-Mode angelehnt.

Also werde ich ein vorhandenes Schnittmuster einer Regency-Chemise nehmen. Das Schnittmuster von Simplicity Nr. 4052 hab ich schon länger aus anderen Gründen herumliegen.

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Eine Vorlage für ein Hemdchen einer Nürnberger Handwerkersfrau werde ich kaum finden, und so gilt: man sieht es eh nicht, sollte ich irgendwann was besseres finden, kann ichs ersetzen. Es deckt sich wenn schon nicht der regionale, so schon der zeitliche Rahmen.

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30.04.07:

Auch wenn die Chemise schon länger in diesem Zustand ist bin ich erst heute zum photographieren gekommen.

Der Saum und die Ärmel sind noch nicht fertig, das möchte ich erst machen, wenn der Rest soweit ist. Ich hab ganz brav überall Kappnähte gemacht, die mal besser, mal schlechter funktioniert haben (an manchen Stellen wollten Kapp und Naht nicht recht zusammenfinden... ;-) ). Mit dem Schrägband am Ausschnitt bin ich allerdings etwas brutaler umgegangen, weil ich schlicht und ergreifend keine Zeit hatte, das auf der Innenseite von Hand anzunähen.

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16.05.2007:

Hab heut endlich gar versäumt: unten vorschriftsgemäß 2 mal umgeschlagen, an den Ärmeln allerdings mit Schrägbarnd.

(zugegebenermaßen hab ich am Ende des Saums gemerkt, dass mir wohl gleich am Anfang der Faden von der Oberfadenspannung gehopst is... iiiirgendwann werd ich das korrigieren... aber bestimmt nicht vor der Blauen Nacht)

Das Hemdchen ist also fertig!!!


Nachtrag 2012: Inzwischen hätte ich wunderbare Vorlagen für lokale Hemden. Irgendwann werde ich sicher einmal eines machen!

Freitag, 11. Mai 2007

Rekonstruktion: Der Leibchenrock


Der Rock wird aus geraden, zusammengenähten Stoffbahnen entstehen, deren Weite hinten durch 1,5 cm tiefe plissierte Falten in Zaum gehalten wird, die weiter unten nochmal durch einen Faden gehalten werden. Vorne und auch an den Seiten liegt der Stoff glatt.

Der Oberstoff (beige Baumwolle) wird noch mit ungefärbter Baumwolle gefüttert.

Das Ganze "montiere" ich dann an ein kurzes Leibchen, das ich leider ohne Schnittvorlage selbst erstellen muss. Auch Bilder gibt es von diesen Leibchenröcken kaum, und wenn, dann nur für Gegenden in Mittelfranken, in denen der Mutzen (also das Oberteil) anders gearbeitet wird. Eine Verstärkung mittels Fischbein oder ähnlichem konnte ich auf keiner Abbildung erkennen.

Diese Leibchen sind generell entweder aus dem Stoff des Rockes, oder aus Stoffresten, da sie ja nicht offen zu sehen sind.

Ich habe dafür den Rockstoff verwendet, an die Schneiderpuppe geheftet und die notwendige Form abgenommen. Nachdem schon der Schnitt nur wenig Anspruch auf Authentizität erheben kann, habe ich das ganze kurzerhand mit naturfarbener Baumwolle (das wiederum ist authentisch) verstürzt und an allen Kanten abgesteppt.

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04.05.2007:

Nachdem ich in den letzten 2 Wochen immer mal wieder am Leibchen für den Leibchenrock gebastelt hab, beziehe ich heute Knöpfe dafür.

Das Innenleben sind kleine Hemdknöpfe, die ich mit dem Leibchenstoff beziehe.

05.05.2007:

Nach dem Basteln etwas weniger schöner Knopflöcher (von Hand wurde das scheußlich, also hab ich an dieser Stelle zum bisher ersten Mal die strombetriebene moderne Nähmaschine eingesetzt. Allzu hübsch sind die auch nicht geworden, aber man bekommt sie ja nicht zu sehen.

10./11.05.2007:

Der Rock wurde an den Seiten mit Hilfe eines Fadens ein kleines bisschen eingerafft. Hinten wurde der Stoff durch vier parallele Fäden, die im Stoff bleiben in Stehfalten gelegt. Nach ein bißchen hin- und herschieben sieht das nichtmal schlecht aus.

Danach hat die "Hochzeit" zwischen Leibchen und Rock stattgefunden, und ich muss feststellen, dass ich froh bin, die Saumweite auf 3 m zu drosseln, denn das Gewicht der Falten im Rücken ist schon ganz ordentlich, ich möchte mir nicht vorstellen, wie die bei 4 oder 4,5m gewesen wäre. Gerade von der Seite schaut das jetzt nichtmal übel aus.

Bilder folgen noch!

Freitag, 4. Mai 2007

Rekonstruktion: Die Schürze

Die Schürze besteht wie gesagt aus zwei Stoffteilen mit Mittelnaht. Ich muss mich noch entscheiden, wie ich den Bund gestalte - die Vorlagen bieten da mehrere Möglichkeiten an. Auch beim Stoff bin ich noch unentschlossen: weiß wie bei Kraft, oder dunkelblau mit weißen Blümchen.

12.05.2007:

Heute hab ich unter anderem die Schürze gemacht.

Ich habe die feine weiße Baumwolle genommen, da auf den wenigen bekannten Bildern aus Nürnberg helle Schürzen gezeigt werden, ganz im Gegensatz zu den dunkleren in den ländlicheren Gebieten

Die Schürze besteht aus zwei je 42 cm breiten Stoffbahnen, reicht also bis zu den Seiten. Beidseitig wurde der Stoff etwas gerüschelt, bis auf die mittleren 22 cm.

Das alles wurde an ein aus dem gleichen Stoff gefertigtes Band genäht, das lang genug ist, um es mindestens 2 mal um den Körper zu wickeln, damit ich die Bindung variieren kann. Dieses Band fungiert sowohl als Bund als auch als Bindeband, ich habe mich also gegen den sog. dreieckigen Bund entschieden, da der nur regional vorkommt und auf den Zeichnungen von Kraft und Lipowski nicht auftaucht.

Die Länge der Schürze entspricht der des Rockes.

Montag, 9. April 2007

Jagen & Sammeln III

So, nach einem heißen Tip hab ich tatsächlich Literatur gefunden, die weiterhilft.

Die neuen Ergebnisse:

1. Eine neue Bildquelle: Felix Graf von Lipowski, Nürnberger Hauptmarkt, um 1830.

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Hier siehr man recht deutlich, daß es doch auch in Nürnberg, dem es zu der Zeit eigentlich nicht sonderlich gut ging, Einflüsse aus den andernorts vorherrschenden Modeströmungen (sprich: Regency/ Empire) gab. Hier sieht man recht gut, daß die Taille recht hoch sitzt, besonders, wenn man einmal Ellenbogenposition und Höhe des unteren Abschlusses des Oberteils anschaut.

Verblüffend: Die dargestellten Damen ähneln mehr als nur ein bißchen den Kraft
zugeschriebenen Zeichnungen. Wurde hier abgemalt?

2. Originale!

Es gibt einen ganzen Schwung erhaltener Originale.

Hier ein Beispiel aus Gustenfelden um 1810/1820 aus Baumwolle, Wolle und Leinen.

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Sie zeigen in Abwandlungen mehr oder weniger alle das gleiche.

- Der große Kragen ist typisch für die Mittelfranken.

- Häufig aufgesetzte dunkle Samtbänder am Kragen, Ärmel, Saum,...

- KEIN Schnepper. Hinten am Oberteil (auch: Mutzen) sitzen teilweise zwei kleine Fächerboschen.

- Die Weite des Rockes sammelt sich im Rückenbereich, wodurch eine schlanke Form entsteht.

- Die Schürze ist aus zwei Teilen mit Mittelnaht zusammengesetzt.

- Farbtechnisch besteht eine recht große Auswahl, was aber auch schon durch das Bildmaterial klar war. Insgesamt sind die Trachten jedoch deutlich dunkler gehalten als die Kleidung der Damen auf den Zeichnungen vom Hauptmarkt

3. Ein Schnittschema.

Die Bücher enthalten auch das Schnittschema des Oberteils aus Gustenfelden, welches ich hier aber nicht einstellen möchte. Im Gegensatz zu Originalen und Bildquellen ist das Schema die Arbeit eines anderen (bei Gelegenheit erstelle ich aber eine Literaturliste für das Projekt).

Ich hab das ganze aber einmal vergrößert und aus Papier zusammengebastelt um zu verstehen, wie das funktionieren soll.

Von Vorne:

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Und von Hinten:

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Fazit:

Der Schnitt, den ich ursprünglich für das Oberteil hatte, ist somit Geschichte.

Dafür kann ich besseren Gewissens die Regency-Chemise verwenden!

Donnerstag, 22. Februar 2007

Jagen & Sammeln II

Heute hab ich es endlich geschafft, mich mal ins Germanische Nationalmuseum in Nürnberg zu bewegen und bin doch mit einigen erfreulichen Erkenntnissen wieder rausgekommen.

1. (allerdings unerfreulich) Kleidung speziell aus Nürnberg haben die auch nicht, dafür jede Menge anderer toller Sachen.

2. Die gestern frisch angekommenen Spitzen von DerSpitzenladen auf ebay sind für die Zeit zumindest bedingt geeignet .

3. Ich habe jetzt einen Verdacht, woraus sich die besagte Oberteilsform entwickelt hat, nämlich meiner Vermutung nach aus dieser Ärmeljacke von 1790. Meines Erachtens unterstützt gerade die Rückansicht die Theorie, dass es sich auch bei dem Oberteil von J.A.Klein um eine Blende, und nicht um eine Passe handelt.

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4. Nicht, dass ich danach gesucht habe, aber ich hab´s gefunden. Es gibt tatsächlich auch noch ein Gemälde von Carl Hartmann aus dem Jahr 1837, dass die Blende bestätigt, eine Großmuttern mit betendem Kind. Entweder hat sich diese Blendenform recht lange gehalten (nur bildlich festgehalten wurde sie scheinbar selten) oder die Dame ist nicht ganz mit der Mode gegangen.

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5. Auch schuhtechnisch sollte mir zu helfen sein. Sowas hier aus der Zeit um 1820 sollte in ähnlicher Form käuflich zu erwerben sein.

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6. Weil es einfach schön ist, auch wenn es mit meinem Biedermeier-Projekt nichts zu tun hat: ein Kleid um 1830 (google liefert es einem, wenn man nach Nürnberg und Biedermeier sucht, aber das GNM scheint es nichtmehr online zu haben).

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Montag, 22. Januar 2007

Der Biedermeier-Projekt-Blog

Der Biedermeier-Projekt-Blog

Was ursprünglich nur als dumme Idee anfing, nimmt jetzt zum ersten Mal konkret Form an.

Für die Blaue Nacht 2007 in Nürnberg haben wir uns für das derzeit im Aufbau befindliche Museum für mittelalterliches und frühneuzeitliches Handwerk das Thema "Anziehende Geschichte" ersonnen.

Für die Wohnräume der Handwerker in den oberen Etagen haben wir hierzu im Forum zu www.kostuem-kram.de nach "Opfern" gesucht, die für einen Abend lang die Räume historisch gewandet beleben.

Der gesteckte Zeitrahmen reicht vom ausgehenden Mittelalter bis ins Biedermeier. Jetzt fanden sich zwar schnell Leute für Mittelalter, Renaissance und Barock, nur das Biedermeier, das wollte keiner.

Den Rest habe ich meinem Sturkopf zu verdanken.

Die letzten Wochen habe ich also mit Recherche zum Thema einfache bürgerliche Kleidung im Biedermeier in Nürnberg verbracht.

Fündig geworden bin ich schließlich bei einer Zeichnung von Johann Adam Klein aus dem Jahr 1820, das Bürgerinnen und Mägde in Nürnberg zeigt . DAS also soll es werden, das rechte um genauer zu sein.

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Jagen & Sammeln


Die letzten Wochen hab ich nicht nur mit Recherche verbracht, sondern auch mit dem Versuch, taugliche Schnittmuster für das Unternehmen aufzutun.

Das hat sich nicht ganz einfach gestaltet, weil mein Spielziel recht ... sagen wir, speziell ist. Wesentlich leichter wäre es gewesen, englische oder amerikanische Mode der Zeit des Biedermeier zu rekonstruieren, da gibt es einige taugliche Schnitte. Nur eben nicht für meine Bedürfnisse.

Die verwendeten Schnittmuster werden dann bei den einzelnen Kleidungsteilen erläutert.

Das andere Problem war: wie ist das Dargestellte zu interpretieren? Nach längerer Unterhaltung mit Caythlin (ich bin ihr unsäglich dankbar!) aus dem genannten Forum habe ich beschlossen, das abgebildete Oberteil nicht als Jacke, sondern als Bluse zu betrachten. Das Undefinierbare um die Schultern wird als Blende (nicht als Passe) definiert (vorerst zumindest).

Das hier (Quelle wie gehabt) scheint zumindest obenrum nach dem gleichen Prinzip zu arbeiten. Somit hab ich - denk ich jedenfalls - eine Vorder- und eine Rückansicht.

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Unter dem Rock ist kein versteifter Unterbau zu vermuten, die Krinoline ist um 1820 noch nicht üblich, bei einer Handwerkersfrau ist sie definitiv nicht zu erwarten. Als Unterbau sollen demnach zwei Unterröcke dienen.

Die Unterwäsche besteht - historisch betrachtet - zumindest aus einem Hemd. Korsetttechnisch gesehen ist die Zeit um 1820 wiederum heikel. (Anmerkung: ursprünglich wollte ich ein nur leicht versteiftes Korsett machen, nach einem zeitgenössischem Schnittmuster. Das hat sich - siehe Kapitel "Irrwege" inzwischen erledigt.)

Aufgrund der vielen Ungewissheiten und Interpretationen, ist das Projekt insgesamt als RekonstruktionsVERSUCH zu sehen.

Als Stoffe sind insgesamt Baumwollstoffe vorgesehen, als Farben hellblau und beige.

Was ich mit den Problemen Schuhwerk und Kopfbedeckung mache, ist noch offen.

22.02.07: Offenbar gabs etwas später in Ansbach etwas ähnliches: Photobucket - Video and Image HostingPhotobucket - Video and Image Hosting

Sonntag, 21. Januar 2007

Biedermeier-Projekt-Blog

Was ursprünglich nur als dumme Idee anfing, nimmt jetzt zum ersten Mal konkret Form an.

Für die Blaue Nacht 2007 in Nürnberg haben wir uns für das derzeit im Aufbau befindliche Museum für mittelalterliches und frühneuzeitliches Handwerk das Thema "Anziehende Geschichte" ersonnen.

Für die Wohnräume der Handwerker in den oberen Etagen haben wir hierzu im Forum zu www.kostuem-kram.de nach "Opfern" gesucht, die für einen Abend lang die Räume historisch gewandet beleben.

Der gesteckte Zeitrahmen reicht vom ausgehenden Mittelalter bis ins Biedermeier. Jetzt fanden sich zwar schnell Leute für Mittelalter, Renaissance und Barock, nur das Biedermeier, das wollte keiner.

Den Rest habe ich meinem Sturkopf zu verdanken.

Die letzten Wochen habe ich also mit Recherche zum Thema einfache bürgerliche Kleidung im Biedermeier in Nürnberg verbracht.

Fündig geworden bin ich schließlich bei einer Zeichnung von Johann Adam Klein aus dem Jahr 1820, das Bürgerinnen und Mägde in Nürnberg zeigt . DAS also soll es werden, das rechte um genauer zu sein.

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