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Samstag, 2. Juni 2018

Die Mopedsaison ist eröffnet!

Mit reichlich Verspätung ist nun auch meine Mopedsaison 2018 eröffnet.

Der Zweiradwinter kam letztes Jahr sehr bald, bedingt durch das Baugerüst am Haus, das die Schwalbe von ihrem Parkplatz vertrieben hat. Das Gerüst ist zwar immernoch da (keine Angst, da passiert schon lange nichts mehr, und ist ja egal, ob die Leute ihre Balkone nutzen können...), aber inzwischen konnte ich mit der Nachbarschaft eine andere Abstellmöglichkeit im Hof vereinbaren.

Über den Winter ist dann am Moped einiges passiert. Abgesehen davon, dass sie immer schlechter den Leerlauf gehalten hat, hat man ihr doch deutlich angemerkt, dass sie 6 Jahre gestanden ist - und davor offenbar auch nicht die Welt passiert ist.

Einiges davon wurde inzwischen nachgeholt: Den längst überfälligen Ölwechsel und eine frische Batterie gab es schon im September, den Sprit habe ich von 1:50 auf 1:33 umgestellt, kaum hatte sie einen neuen Tankdeckel, lief der Sprit auch dauerhaft. ;)


Um wieder in Mopedstimmung zu kommen, gab es dann zu meinem Geburtstag im Februar einen Ausflug ins Fahrzeug-Museum in Suhl, also die Heimat der Schwalbe.

Im April ging es dann richtig los. Die alte Dame brauchte dringend neue Füße, da ich den nicht ganz unbegründeten Verdacht hatte, dass da noch die Originalbereifung drauf war. Beim Wechsel zeigte sich dann auch, dass der deutlich neuere hintere Schlauch aus dem Jahr 1992 stammte. Ich habe es endlich geschafft, die defekte Hupe auszuwechseln (gut, funktioniert noch immer nicht, aber theoretisch könnte die Hupe jetzt hupen, jetzt weigert sich nur die Elektrik), den morschen Blendenring um den Scheinwerfer und die Ansaugmuffe zu ersetzen und die Aufkleber vom Beinschild zu entfernen. Die Flöte wurde auch ausgebrannt - und brannte und brannte. Nur hatte sie nach wie vor keinen Leerlauf.

Also nochmal Flöte ausgebrannt, eine Stunde lang! Der Krümmer ging schneller. Luftfilter gereinigt - inklusive der Frage: "Warum hat sie zwei, sie sollte doch nur einen haben?!" Zündkerze gereinigt, nachgestellt. Jetzt sprang sie zwar gut an, fuhr auch irgendwie, aber Leerlauf hatte sie noch immer keinen. Die erste Testfahrt Ende April war mehr als ernüchternd. Vorsichtig formuliert. Viele farbige Metaphern.

Wieder Literatur gewälzt und Online-Foren abgeklappert, bis ich auf einer schönen Übersichtsseite mal wieder auf die Vergasertypen stieß - und ein dumpfer Verdacht aufkam: Hat der Vorbesitzer den falschen Vergaser eingebaut?! Böses Deja vu, denn das war einer der Faktoren, der zum Tod des Motors der Zündapp geführt hat.
Natürlich hat er. Hier kann man dem Vorbesitzer keine böse Absicht unterstellen, denn auf der Rechnung steht explizit, der Vergaser wäre für die Kr51/1 geeignet.
Auf der Haben-Seite hat sich schnell herausgestellt, dass es der Vergaser für das Vorgänger-Modell war, der weniger Leistung bringt. Also konnte er kaum Schaden angerichtet haben.

Zähneknirschend habe ich also einen neuen Vergaser bestellt. Und den dann erstmal gut ablagern lassen. In der Zeit war das Moped nämlich Schrödingers Schwalbe: Sie konnte mit dem neuen Vergaser fahren oder auch nicht.

Am letzten Wochenende war ich dann endlich soweit. Den Kupplungszug habe ich bei der Gelegenheit auch mal nachgestellt, ebenso den 2. Filter aus dem System entfernt und einen neuen Startvergaserzug verlegt. Bis ich dann nach über einer Stunde endlich den Gaszug im vermaledeiten Gasschieber eingehängt hatte, fand draußen ein spektakulärer Weltuntergang statt, der jede ernsthafte Probefahrt verhinderte.
Immerhin: Sie sprang an und nach ein wenig spielen an den Stellschrauben lief sie auch so schön, dass sie immerhin mal den Gang in der Kongresshalle entlangfahren konnte. Und schau an, da war er wieder, der Leerlauf!

Nach der Überführungsfahrt heim und einer kurzen Tour durch die Südstadt am Donnerstag haben wir dann heute unseren ersten richtigen Ausflug gemacht, satte 38km über die Käffer südlich von Nürnberg.



Ein paar Baustellen sind noch da, hauptsächlich was die Elektrik betrifft, aber sie fährt, geht nicht aus und kann somit genutzt werden. Die Tage schau ich mal, wie die Zündkerze aussieht, dann kann ich den Vergaser gezielter feineinstellen.

Sonntag, 10. September 2017

Neuzugang

Nachdem die alte Zündapp jetzt seit Jahren im Koma liegt (Motorschaden, Schwinge gebrochen, genereller Zustand auch nicht so berauschend), habe ich mich im letzten Jahr immer wieder sporadisch nach einem neuen fahrbaren Untersatz mit 2 Rädern umgesehen.

War alles irgendwie doof. Zu teuer, zu weit weg, schlimmer beinander als die Zündapp, keine Schlüssel, keine Papiere, Trümmer fehlen, Schwachsinn drangebaut, Modell mit schlechter Ersatzteillage, keine Antwort vom Verkäufer und immer wieder zu teuer.

Vor 1,5 Wochen ging plötzlich alles ganz schnell: In knapp 25 km Entfernung (also einer Distanz, bei der das Moped den Heimweg auf eigenen Rädern antreten kann) fand ich für einen zivilisierten Preis eine Schwalbe KR51/1, Baujahr 1971. Ratzfatz Probefahrt am gleichen Nachmittag ausgemacht (etwas mit der Fußschaltung gekämpft), wir waren uns schnell einig. Vor zwei Tagen hat dann alles gepasst (Versicherungskennzeichen da, kein Regen, alle Beteiligten hatten Zeit) und ich konnte sie holen.

Generell fährt sie gut, ein paar kleinere Macken liegen wohl an der Standzeit von knapp 6 Jahren. Dafür ist der Tachostand mit gerade einmal 5300 km traumhaft niedrig und die Ersatzteillage bei den alten DDR-Mopeds um Welten besser als bei der Zünadpp R50. Mal ganz davon abgesehen, dass die Dinger halt doch 60 km/h fahren dürfen und durch die großen Räder auf den Buckelpisten, die diese Stadt Straßen nennt, weniger heikel ist.

Natürlich ist so ein alter Roller immer nicht nur Fahrzeug, sondern auch Bastelhobby. Aber dadurch passt die Schwalbe ja in den Blog. ;)