Mittwoch, 9. Januar 2008
Auf ein Neues!
Nur soweit vorab: die Blaue Nacht 2007 war für das künftige Museum in der Kühnertsgasse ein voller Erfolg, noch mehr Leute hätten wir kaum unterbringen können.
Nun heißt es, für dieses Jahr (die Stadt Nürnberg hat das für uns etwas schwierige Rahmenthema "Inseln" gewählt) ein neues Rahmenthema zu finden. Wir haben uns darauf geeinigt, den Schwerpunkt dieses Jahr schon in die Richtung zu lenken, die auch später das Museum beherrschen wird: Handwerk im Mittelalter. Wir hoffen, einige Handwerkervorführungen bieten zu können. Hausgebacken werden wir Textilherstellung präsentieren. Dazu werden Spinnen und ein Trittwebstuhl gehören. Ob wir auch färben werden, müssen erst noch Experimente zeigen *g*
Natürlich brauche ich dafür standesgemäße Bekleidung. Die letzte Zeit war somit geprägt von Recherchearbeiten zur Kleidung in Nürnberg bzw. Süddeutschland in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das typische Dürerkleid steht für mich nicht zur Diskussion, da es bereits im letzten Jahr präsentiert wurde und wir auch etwas früher ansetzen wollen.
Demnächst also hier die Ergebnisse von Jagen und Sammeln 2008.
Mittwoch, 14. November 2007
Da war doch mal was...
Die Unterwäsche in dieser Zeit ist relativ schnell abgehandelt: Die Chemise hatte ich schon für das Nürnberger Biedermeier gemacht. Als Korsett sollte eigentlich ein Schnitt von Past Patterns herhalten, allerdings erfordert der Reet-Versteifung, und sowas ist hierzulande nicht so leicht zu bekommen. Also hab ich aus besagtem - ungewöhnlich authentischen - Simplicity-Packerl auch das Kurzmieder gemacht, erstmal als Plan B.
Das Teil musste reichlich modifiziert werden, da meine Oberweite vom Hersteller nicht mehr vorgesehen ist. Das hat aber ganz gut funktioniert, das Ergebnis zauberte sogar der Schneiderpuppe einen ordentlichen Vorbau. Der Oberstoff ist historisch ganz unkorrekter Polyjacquard, das Zwischenfutter eine Lage Baumwolle und das Innenfutter... ein Rest von der hellblauen Baumwolle vom Biedermeier-Mutzen. Hat farblich so schön gepaßt. Farblich passendes Schrägband habe ich leider keines gefunden, und basteln wollt ich keins, der Oberstoff hat mich schon genug aufgeregt (hat gefusselt wie nur was). Von den Optionen, die ich hatte, erschien mir das dunkelbraun die beste.
Das Kleid ist der wunderbare Schnitt Past Patterns 031. Nachdem ich nicht das übliche Weiß, sondern eher ein ländlich-englisch-gedecktes Kleid haben wollte, habe ich sehr lange nach einem pa
ssenden Stoff gesucht. Eines Nachts habe ich bei einem amerikanischen Ebay-Händler traumhafte Baumwolle mit eingewebten Streifen gefunden. Ich glaube, ich hab mir noch nie soviel Mühe beim Nähen gegeben wie bei diesem Kleid...
Nachdem der Kinotermin recht spät im Jahr lag, nämlich am 31.10. (jaaa, Halloween, aber das war uns bei der Planung nichtmal bewußt) musste dann auf die schnelle noch ein wärmendes Darüber her. Also hab ich auf die Schnelle noch den Spencer-/Pelisse-Schnitt von Sense&Sensibility-Patterns angeschafft, nach dem Blättern im Buch "Fashion in Detail" erfreut festgestellt, dass dunkelblauer Samt "A" ist und den "Rest" Samt aus meiner Stofftruhe gefischt. Nach einigen Änderungen und Modifikationen war das Ergebnis zumindest von außen vorzeigbar. Das gute Stück ist natürlich erst in der Nacht vor dem Termin fertiggeworden, das Innenleben ist also eher chaotisch.
Bei Gelegenheit muss da noch irgendwie Zierrat drauf. Nachdem ich dafür aber weder Zeit noch Inspiration hatte, bleibt das Ding erstmal so, wie es ist.
Bilder gibt es derzeit nur ein paar verfrorene, da es in dieser Nacht wirklich lausig kalt war. Ich war ziemlich froh, mich für was Warmes entschieden und dafür die Kopfbedeckung übersprungen zu haben. Irgendwann wird auch das geändert. Ansonsten war es ein sehr schöner Abend. Die einhellige Erkenntnis lautete im Übrigen, daß das eine ungemein bequeme Epoche ist. Das einzig unpraktische waren unsere modernen Strumpfhosen.
Sonntag, 3. Juni 2007
Rekonstruktion: Fertig!
Was lange währt...
Pünktlich zur Blauen Nacht wurde das gute Stück fertig. Es staucht einen optisch ziemlich zusammen, was an der Blende liegt... Aber wenn man es mit den zeitgenössischen Bildern vergleicht, dann ging es den Mädels damals auch nicht besser.
Nochmal zum Vergleich die Vorlagen:
Freitag, 18. Mai 2007
News
Ich habe heute mal etwas umstrukturiert, da das ganze nach einigen Neuerkenntnissen und Umentscheidungen doch etwas arg unübersichtlich geworden ist. Das werde ich in der nächsten Zeit noch fortsetzen.
Ansonsten: ich bastele Knöpfchen für das Leibchen des Rockes. Photos folgen natürlich!
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04.05.2007:
So, 3 m jetzt schon ehemals weißer feiner Baumwolle drehen gerade ein paar Runden in Begleitung von Simplicol "Arktis". Ich bin gespannt!
Leider war nämlich die blaue Baumwolle, die ich noch hatte und mit der ich das Färben umgehen zu können meinte doch eine ganze Ecke zu dunkel.
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05.05.2007:
Vorbereitungen für den Rock, Knopflöcher ans Leibchen fabrizieren (irgendwie schauen die nicht gut aus...), Annähen der Knöpfe.
Im Anschluß habe ich mal das Leibchen der Puppe angezogen, an der es irgendwie blöd sitzt. In der Oberweite und Unterbrustweite sind wir einfach nicht ganz kompatibel...
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10.05.2007:
Einraffen des Rockvorderteils, Vorbereiten der Stehfalten im Rückenteil. Die Spannung steigt.
Der Stoff für den Mutzen hängt immernoch im Keller...
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11.05.2007:
Leibchen und Rock sind eine engere Bindung eingegangen und nennen sich nun Leibchenrock.
Das Ganze schaut gar nicht so übel aus, auch wenn ich mit den Falten nicht 100%ig glücklich bin. Ob die Zeit noch zum Versäubern des Innenlebens reicht weiß ich noch nicht, ich habe aber beschlossen, das als Kür anzusehen, wenn ich die Pflicht geschafft hab.
Außerdem ist mir das weiße Schrägband ausgegangen.
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12.05.2007:
Heute nehm ich die Schürze in Angriff. Ich habe mich jetzt doch für das auf dem Bild gesehene Weiß und gegen das Dunkelblau mit Blümchen entschieden. Schon beim Anhalten der weißen Stoffbahn sieht jetzt alles erschreckend nach Dirndl aus. Ich hoffe, der Eindruck legt sich, wenn der Mutzen drüber ist.
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Die Schürze ist fertig, inzwischen sitz ich am Schnitt vom Mutzen. Das Gustenfelder Schema kann ich nur als Anhaltspunkt nehmen. Bis jetzt läuft´s ganz gut.
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So, der Schnitt = das Futter stehen soweit (abgesehen von der Blende, da mit die ungebleichte Baumwolle jetzt ausgegangen ist). Jetzt muss ich nur endlich eine Entscheidung bezüglich des blauen Stoffes treffen.
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Die Entscheidung ist FÜR den hellblauen Stoff gefallen, auch wenn der ein bißchen knallig ist. Der ist jetzt zugeschnitten, und die Rückenteile sind bereits samt Futter zusammengenäht. Morgen geht´s dann weiter.
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13.05.2007:
Der Mutzen wächst und gedeiht, der erste Ärmel ist drin, der zweite wird wohl gleich folgen. Danach muss ich mal die Blende zuschneiden und was das gute Stück sonst noch so braucht.
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14.05.2007:
Der Nähmarathon geht weiter...
Die Blende ist am Mutzen, und das Innenleben ist bis auf die Ärmel sogar versäubert. Das heißt, ich muß nur noch den unteren Abschluß und den Verschluß basteln, und die Ärmel auf die richtige Länge kriegen. Wenn dann noch Zeit ist können wir über Verzierungen reden.
Ach ja, das Ding staucht optisch ganz schön zusammen.
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16./17.05.2007:
Ach nee, ich hab endlich die Chemise gar versäumt... Damit hab ich ein endgültig fertiges Teil.
Ich hab auch das Schößchen vom Mutzen neu angenäht, diesmal symmetrisch ;-)
To do:
1.unterer Abschluß vom Mutzen
- erledigt!
2. Verschluß vom Mutzen
- ja! hält zu (habe total un-authentisch mit Haken- und Ösenband improvisieren müssen, weil Zeitnot) - jetzt ist mir auch klar, warum die Dinger so oft Gürtel haben. Es klafft unten leicht auseinander, was es sicher auch mit normalen Haken und Ösen getan hätte. Na gut, bau ich morgen eben einen Gürtel.
3. Posament auf die Blende vom Mutzen
- erledigt! (blÖde Borte!)
4. evtl. Leibrock versäubern
5. Fäden an der Schürze versäubern
6. Häubchen basteln
(auch wenn´s hier nicht hergehört: 7. den Kruseler fertigstellen)
18.05.2007:
FERTIG!!!
Rekonstruktion: Das Oberteil - Der Mutzen
Die Schürze besteht wie gesagt aus zwei Stoffteilen mit Mittelnaht. Ich muss mich noch entscheiden, wie ich den Bund gestalte - die Vorlagen bieten da mehrere Möglichkeiten an. Auch beim Stoff bin ich noch unentschlossen: weiß wie bei Kraft, oder dunkelblau mit weißen Blümchen.
12.05.2007:
Heute hab ich unter anderem die Schürze gemacht.
Ich habe die feine weiße Baumwolle genommen, da auf den wenigen bekannten Bildern aus Nürnberg helle Schürzen gezeigt werden, ganz im Gegensatz zu den dunkleren in den ländlicheren Gebieten
Die Schürze besteht aus zwei je 42 cm breiten Stoffbahnen, reicht also bis zu den Seiten. Beidseitig wurde der Stoff etwas gerüschelt, bis auf die mittleren 22 cm.
Das alles wurde an ein aus dem gleichen Stoff gefertigtes Band genäht, das lang genug ist, um es mindestens 2 mal um den Körper zu wickeln, damit ich die Bindung variieren kann. Dieses Band fungiert sowohl als Bund als auch als Bindeband, ich habe mich also gegen den sog. dreieckigen Bund entschieden, da der nur regional vorkommt und auf den Zeichnungen von Kraft und Lipowski nicht auftaucht.
Die Länge der Schürze entspricht der des Rockes.
Donnerstag, 17. Mai 2007
Werkzeug
Da war doch noch was...
Nachdem ich a) eine ziemliche Niete im Handnähen bin und b) da auch nicht die nötige Zeit für hab, hab ich alles "fußgenäht". Das heißt, die ausführende Nähmaschine war eine Singer 15 mit Tretantrieb (Baujahr 1907).
Die einzige Ausnahme sind die Knopflöcher, für die mußte (nachdem ich beim ersten schon gemerkt hab, dass meine handgenähten nicht so der Kracher sind) die moderne Maschine herhalten.
Den Entschluß für die Singer hab ich eigentlich nur bereut, wenn es ums Versäubern der Fäden ging (sie hat nunmal keinen Rückwärtsgang), aber ansonsten nicht eine Sekunde. Ganz im Gegenteil, an den Stoffmengen wäre meine Bauhjahr 2006 wahrscheinlich gnadenlos gescheitert, während die alte Dame ohne zu zucken drüber weggetackert hat.
Mittwoch, 16. Mai 2007
Rekonstruktion: Die Unterwäsche
Die Recherche war hier besonders schwierig. Was auch daran liegt, daß Informationen über Kleidung aus Nürnberg zu der Zeit allgemein nicht leicht ist.
Auf jeden Fall brauch ich eine Chemise, also ein Unterhemdchen.
Nach meiner Literatur zu Trachten in Nürnberg und der Umgebung sind Unterhemden meist langärmlig. Die Bildquellen für Nürnberg zeigen jedoch hellere Farben und schlankere Silhouetten, die Kleidung ist in der Stadt offenbar enger an die Empire-Mode angelehnt.
Also werde ich ein vorhandenes Schnittmuster einer Regency-Chemise nehmen. Das Schnittmuster von Simplicity Nr. 4052 hab ich schon länger aus anderen Gründen herumliegen.
Eine Vorlage für ein Hemdchen einer Nürnberger Handwerkersfrau werde ich kaum finden, und so gilt: man sieht es eh nicht, sollte ich irgendwann was besseres finden, kann ichs ersetzen. Es deckt sich wenn schon nicht der regionale, so schon der zeitliche Rahmen.
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30.04.07:Auch wenn die Chemise schon länger in diesem Zustand ist bin ich erst heute zum photographieren gekommen.
Der Saum und die Ärmel sind noch nicht fertig, das möchte ich erst machen, wenn der Rest soweit ist. Ich hab ganz brav überall Kappnähte gemacht, die mal besser, mal schlechter funktioniert haben (an manchen Stellen wollten Kapp und Naht nicht recht zusammenfinden... ;-) ). Mit dem Schrägband am Ausschnitt bin ich allerdings etwas brutaler umgegangen, weil ich schlicht und ergreifend keine Zeit hatte, das auf der Innenseite von Hand anzunähen.
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16.05.2007:
Hab heut endlich gar versäumt: unten vorschriftsgemäß 2 mal umgeschlagen, an den Ärmeln allerdings mit Schrägbarnd.
(zugegebenermaßen hab ich am Ende des Saums gemerkt, dass mir wohl gleich am Anfang der Faden von der Oberfadenspannung gehopst is... iiiirgendwann werd ich das korrigieren... aber bestimmt nicht vor der Blauen Nacht)
Das Hemdchen ist also fertig!!!
Nachtrag 2012: Inzwischen hätte ich wunderbare Vorlagen für lokale Hemden. Irgendwann werde ich sicher einmal eines machen!







